Der Irrsinn von pro und kontra.

Dies betrifft u. a. den Artikel in DIE ZEIT vom 12. Jan. 2017 Brauchen wir Reli noch?
Die Darstellungsart dieses Artikels: Ja und nein, oder pro und kontra.
Für "ja" plädierte Manuel J. Hartung, für "nein" war Stefan Schmitt.
Wer das nachlesen möchte, der google das bitte.

Auf was will ich hinaus?
Wenn Zeitungen oder TV-Sender solche Formate, wie „pro und kontra“ präsentieren, dann wäre es wichtig, wenn es abschließend zu beiden „isolierten Inselgesinnungen“ und Ansichten auch noch einen sinnvollen Kommentar geben würde. Diesen sinnvollen Kommentar zu einer schwarzweiß-Betrachtung, der fehlt fast immer. Während einer TV-Sendung zu kontroversen Themen gibt es einen Moderator, der die Moderation übernimmt. Moderation bedeutet in seiner ursprünglichen Wortbedeutung "Mäßigung". Ein Moderator versucht zu mäßigen, das heißt, er versucht die gegensätzlichen Positionen so zu moderieren = mäßigen, um Argumentationsspitzen abzurunden, damit die Diskussion nicht überhitzt und es zu einem Abbruch der Diskussion kommt.
Eine ähnliche Aufgabe fällt dem Moderator in einem Kernkraftwerk zu um freie, dies sind schnelle und energiereiche Neutronen abzubremsen. Am geeignetsten sind leichte Atomkerne, wie Wasserstoff mit einem Proton. Je schwerer die Atomkerne werden, wie beim Graphit = Kohlenstoff mit 6 Protonen, umso weniger mäßigend = abbremsend wirken sie. Mit meinen Worten erklärt: Je elastischer ein Atomkern ist, umso besser bremst er ein Neutron ab. Wenn ein Atomkern massereicher = schwerer ist, umso unelastischer ist er und das Neutron prallt an ihm ab. Wenn das Neutron auf sehr massereiche Atomkerne, wie dem Uran-235 trifft, dann kommt es zur unkontrollierten Kernreaktion, zur Explosion.

Nun zurück zur Moderation von pro und kontra:
Aus der Sicht eines TV-Senders ist es wichtig, dass keine Seite hochkocht und explodiert. Damit wäre eine pro-und-kontra-Sendung zerstört und schadet dem TV-Sender. Um das zu verhindern gibt es den Moderator, den Mäßiger.
Was erreicht nun der Mäßiger, der Moderator? Dass die Sendezeit mit bla-bla-bla ausgefüllt wird. Zurück bleiben Zuschauer, die sich einer Seite zuwenden und Stellung beziehen. Denke dabei an den Schützengraben, dort bezog man auch Stellung.
Das Ergebnis einer moderierten pro-und-kontra-Sendung ist für den TV-Sender - wenn gut moderiert wurde - zufriedenstellend.
Das Ergebnis einer moderierten pro-und-kontra-Sendung ist für den Zuschauer - wenn gut moderiert wurde - eine Befeuerung von pro oder von kontra. Eine Befeuerung von pro oder von kontra verhärtet die Fronten und lässt Orientierungslose in den Schützengräben zurück. Letztendlich werden Wutbürger durch pro-und-kontra-Formate erzeugt. Das ist eindeutig eine Verschlechterung nach einer pro-und-kontra-Sendung. Statt Klärung gibt es gefestigtere Positionierungen in den Schützengräben.

Den eigentlichen Sinn - im Wortsinne, dies wäre die Mäßigung, verfehlt der Moderator überdeutlich!

Wie wäre dem abzuhelfen?
Nach einer TV-Sendung oder eines pro-und-kontra-Themas in den Medien Web oder in Zeitungen und Zeitschriften ist es zwingend notwendig, dass pro und kontra hinterleuchtet wird, um den Irrsinn (meist nur einen Seite) aufzudecken, damit die Zuschauer oder Leser danach gescheiter sind und nicht befeuert.

Um das Ausbreiten von kontraintelligenten Inselgesinnungen zu vermeiden, die nur zu Streit und Hass aufeinander - zum Wutbürger - führen, hier mein Vorschlag für zukünfige Formate und auch für Diskussionsrunden:

pro, kontra und overlap = pk-ø


overlap steht hier für "Schnittmenge", ø steht für sinnvoller Durchschnitt
_____________________________________________________________

Noch ein Beispiel aus dem FOCUS vom 13.05.2017:

Die Frage auf Seite 52: "Sind Sie für ein Wahlrecht ab Geburt?", wird von Herrmann Otto Solms 76, Schatzmeister der FDP mit "Ja", von Patrick Sensburg 45, CDU- Bundestagsabgeordneter mit "Nein" beantwortet. Auch hier fehlt eine moderierende Stellungnahme eines Weisen. Siehe dazu auch "Nur die Vernünftigen wählen lassen?"

Hier fehlen uns "Die 5 Weisen", die uns erklären, warum alles so ist und was mit uns gemacht wird.


Ulrich H. Rose vom 20.05.2017
____________________________________


Dieser Beitrag "Der Irrsinn von pro und kontra" ist reinkopiert in "Warum gerade Donald Trump?"

____________________________________

Ein weitere, mehr als schwachsinniger Beitrag zum Thema pro und kontra siehe in DIE ZEIT vom 04.01.2018 Anwesenheitspflicht: "Soll man Studenten zwingen im Hörsaal zu sitzen?"

Ja


Die Anwesenheitspflicht ist nötiger denn je. Echte Bildung ist ohne Begegnung nicht zu haben.

Von Manuel Hartung

Der Sommer könnte wild werden: Wenn einige Bundesländer die Anwesenheitspflicht wieder zulassen und Hochschulen ihren Studenten vorschreiben, im Hörsaal zu sitzen, wird es Protest geben. Die Demonstranten: vor allem Geistes- und Sozialwissenschaftler. Das Geschrei: laut. Die Argumente: vorhersehbar. Freiheitsberaubung! Fremdbestimmung! Wir haben doch alle die Hochschulreife!
Man muss hoffen, dass die Wissenschaftspolitiker der Länder standhaft bleiben. Die Anwesenheitspflicht ist nicht nur für den Lernerfolg der Studenten sinnvoll. Sie ermöglicht auch den Zugang zu echter Bildung, die ohne Begegnung nicht zu haben ist.

Die Empirie ist eindeutig: Anwesenheit in Lehrveranstaltungen bringt etwas. Der Bildungsforscher Rolf Schulmeister verdichtete vor zwei Jahren 298 Untersuchungen aus 25 Ländern zu einer Metastudie (ZEIT Nr. 48/2015). Sein Schluss: Schon wer dreimal fehlt, hat einen geringeren Lernerfolg. Besonders schade es leistungsschwächeren Studenten, wenn sie nicht kämen; sie fielen noch weiter zurück.
Doch nicht nur aus Sorge um die Leistungsstarken und Fürsorge für die Schwächeren sollte man darauf bestehen, dass Studenten im Seminarraum sitzen. Anwesenheit rührt an den Kern universitärer Selbstkonzeption: Verstehen sich Hochschulen als Parzellen einsamer Autodidakten oder als Begegnungsstätten diskursiv Lernender? Wollen sie Instanzen der Lehrbuchleistungsabprüfungszertifizierung sein oder Orte, an denen man das Glück der Bildung erfährt? Dieses Glück entsteht auch durch andere; durch Diskurs, Streit, Austausch lernt man verstehen, sieht man Zusammenhänge, schärft Argumente. Die Welt bekommt neue Bedeutung.
Niemand würde bestreiten, dass Chemiker oder Physiker ins Labor gehen müssen, um Durchbrüche zu erzielen. Dass ausgerechnet Studenten der Germanistik oder Politik den genuinen Ort ihres Durchbruches, das Seminar, so vernachlässigen, entspringt einem Missverständnis: dass es ein Auswuchs autoritären Erbes sei, in eine Veranstaltung gehen zu müssen. Es ist aber ein Privileg in einer freien Gesellschaft, in der der Staat den Studenten die Ausbildung bezahlt.

Es ist bedauerlich, dass viele Befürworter einer Anwesenheitspflicht ihrem Anliegen selbst schaden, weil sie kleinlich nörgeln, statt sich großes Pathos zuzutrauen. Während die Gegner der Präsenz von Studierfreiheit schwärmen und die Eigenverantwortung preisen, ergehen sich einige Befürworter in Gegreine: Die Studenten seien heute viel schlechter als früher, kaum jemand sei intrinsisch motiviert, und Bologna und die Ökonomisierung, ja, die seien ohnehin an allem schuld. Statt nur zu kritisieren, sollten die Präsenz-Fans die Chance der Neugestaltung beherzt ergreifen.

Die Gegner der Anwesenheitspflicht führen oft zwei Argumente ins Feld. Erstens, es bringe doch nichts, wenn Studenten einfach nur körperlich anwesend seien und ein Professor dann in dreißig demotivierte Augenpaare blicke. Es gehe schließlich nicht ums Absitzen, sondern ums Mitmachen. Zweitens, da es so viele Studenten gebe wie noch nie, 2,8 Millionen, fehle es doch an allem, Geld, Räumen, Personal. Da könne man froh sein über jeden, der nicht erscheint.

Beides sind Schwierigkeiten, zweifelsohne. Doch in ihrer Überwindung liegt eine große Chance. Richtig orchestriert wird die Anwesenheitspflicht sehr positiv verändern, wie an den Hochschulen unterrichtet wird. Dann kann man den Teufelskreis der schlechten Lehre durchbrechen, den es überall gibt: Für die Karriere einer Wissenschaftlerin ist nur gute Forschung entscheidend; also vernachlässigt sie die Lehre; also sind ihre Veranstaltungen langweilig; also gehen zu wenige hin.
Die Anwesenheitspflicht brächte eine doppelte Verbindlichkeit zum Ausdruck: die der Studenten, die ihr vom Staat bezahltes Studium endlich ernst nehmen; die der Professoren, denen der Staat die Forschung finanziert und die nun gute Lehre anbieten müssen. Das eine wird ohne das andere nicht zu haben sein.

Der Schlüssel zur guten Lehre liegt in der Digitalisierung. Flipped classroom heißt das Konzept, umgedrehter Unterricht. Wissensvermittlung, die bislang oft in Vorlesungen stattfindet, geschieht dann im Wesentlichen online: in didaktisch ausgefeilten Videos, die jeder Student zu Hause sieht. Die Filme können die Professoren selber aufnehmen, sie können aber auch das Beste aus den Unis weltweit integrieren, die Reihe eines Harvard-Professors über Gerechtigkeit genauso wie die Einführung in die Philosophie des Maschinenlernens vom MIT. Stanford gibt’s plötzlich auch in Deggendorf. Im Seminarraum finden dann Diskurs und Dialog, Übung und Vertiefung statt. Das macht die Anwesenheit attraktiv, es verbessert die Lehre schlagartig und organisiert die Masse der Studenten besser. Hochschulen werden fortan nicht nur "Anwesenheitsinstitutionen" sein, wie der Soziologe Rudolf Stichweh einmal forderte. Sie werden Interaktionsinstitutionen. Orte, an denen Studenten und Lehrende jeden Tag erfahren, dass sie einander brauchen, um miteinander zu wachsen und das Glück echter Bildung zu erfahren.


Nein


Die Anwesenheitspflicht sieht den Studenten als Mängelwesen – und simuliert nur Ordnung und Kontrolle

Von Robert Pausch

Da ist er wieder, der Zombie der Bildungsdebatte: die Anwesenheitspflicht. Eigentlich längst erledigt, aber dennoch unsterblich. Also gut, hier noch einmal die bekannten Argumente des Streits: Die selbstbestimmte Universität? Ist 68er-Kitsch und den Anforderungen des Arbeitsmarktes nicht mehr angemessen! Freie Persönlichkeitsentfaltung? Ach was, Studierende brauchen Führung, ein Mechaniker repariert das Auto ja auch nicht zu Hause!

Versuchen wir es einmal anders: Was kritisieren denn die Verfechter der Anwesenheitspflicht? Die unterschiedlichen Wissensstände in den Seminaren, die blutleeren Diskussionen, die Apathie der Studierenden, die am Ende Hausarbeiten schreiben, ohne etwas gelernt zu haben, und mit einer 3,7 zufrieden sind.
Nur um das festzuhalten: Das sind ernsthafte Probleme, die den Dozenten und engagierten Studenten das Leben an der Uni tatsächlich schwer machen. Bleibt jedoch immer noch die Frage: Was hilft da die Anwesenheitspflicht? Denn wie der Name schon sagt, verpflichtet sie erst einmal zu nichts anderem, als irgendwie da zu sein. Nicht zur Lektüre, nicht zur Vorbereitung, nicht zur Nachbereitung, nicht zur Beteiligung. Nein, zur Anwesenheit.
Es gibt keine empirischen Studien dazu, wie sich ein Seminar verändert, wenn Anwesenheit verordnet wird. Nur den Wunsch, dass es irgendwie besser wird. Dagegen steht der Verdacht, dass die Diskussionen nicht lebendiger, die Veranstaltungen nicht besser werden, wenn zehn Leute mehr unvorbereitet in einem Seminar sitzen, weil sie es eben müssen.
Die Anwesenheitspflicht ist ein stumpfes Schwert, sie simuliert schlicht Ordnung und Kontrolle, bloß weil sich eine bestimmte Anzahl Menschen zur selben Zeit im selben Raum versammelt.

Mehr nicht.

Wenn man also – wie die Verfechter der Anwesenheitspflicht – den Studenten schon als Mängelwesen sieht, das eben ein paar ordentliche Daumenschrauben braucht, um in die Gänge zu kommen, warum dann nicht wenigstens wirksame? Wöchentliche Testate, Essays, Kontrollen. Ohne Frage, das wäre dann die endgültige Verschulung der Universität. Aber man würde die Probleme, die die Verfechter der Anwesenheitspflicht durchaus mit einigem Recht kritisieren, zumindest ernsthaft angehen.

Dass diese Dinge niemand ernsthaft fordert, führt zum eigentlichen Kern der Sache. Denn Essays wollen gelesen und Prüfungen korrigiert werden. Und das kostet Zeit.

In einem universitären System, in dem die Lehre für die akademische Karriere bestenfalls egal ist, in dem besonders gute Seminare das Privatvergnügen besonders engagierter Dozentinnen sind, in solch einem System wären all diese tatsächlich zupackenden Maßnahmen natürlich widersinnig und kaum durchsetzbar. Wer schon einmal in einer Berufungskommission saß, der weiß, dass sich jeder Postdoktorand lieber rasch an seinen nächsten Peer-Review-Artikel setzen als eine exzellente Lehrveranstaltung konzipieren sollte.

Man kann all dies nicht nur in Asta-Flugschriften nachlesen, sondern auch, im nüchternen Jargon der Wissenschaftstechnokratie, in dem Bericht der sogenannten Imboden-Kommission, die die Exzellenz deutscher Universitäten untersucht hat. Dass die viel beschworene Einheit von Forschung und Lehre auch an deutschen Top-Unis faktisch keine Rolle spiele, sei "bemerkenswert", heißt es dort – und ein Problem im internationalen Vergleich. Überhaupt komme der Begriff Lehre in der Exzellenzvereinbarung II zwischen Bund und Ländern "nur ein einziges Mal vor".
Dennoch grummeln die Verfechter der Anwesenheitspflicht gerne – man ist ja Bildungsbürger – vom Ideal der Universitas, der Gemeinschaft von Lehrenden und Lernenden, die durch abwesende Studierende gefährdet sei.

Allein, die Universitas wurde nicht von den Lernenden aufgekündigt. Sondern von einem Bildungssystem, das auf den fundamentalen Funktionswandel von Universitäten nicht einmal ansatzweise reagiert, das Universitäten dafür belohnt, möglichst viele Studierende anzuwerben, ohne für ihre Betreuung zu sorgen, das 60 Menschen in einen Raum steckt und das Ganze dann auch noch "Seminar" nennt, das die Lehre als Schnittlauch auf dem Hauptgericht der Forschung betrachtet.
Hier liegen die eigentlichen Ursachen für das Problem. Man könnte sie beherzt angehen. Eine gute Lehre wirklich honorieren, die Seminare verkleinern, die Betreuung intensivieren. Man könnte innovative Methoden ernsthaft fördern, herausragende Dozentinnen mit Stellen versorgen und so die Seminare für Lehrende und Lernende wieder zu einem Ort der Erkenntnis werden lassen.

Könnte man alles machen. Oder man droht armfuchtelnd mit Disziplinierung und hält das dann für gelungene Bildungspolitik.


Mein Kommentar:

Diese beiden Stellungnahmen "ja" von Manuel Hartung und "nein" von Robert Pausch sind so eindeutig zu verstehen und in ihrer Inselgesinnung leicht zu enttarnen. Ich habe es mir nur erlaubt hier eine Wertung im Farbton vorzunehmen. Bilde Dir Dein Urteil selber! UHR am 16.01.2018

____________________________

Hier geht es zurück zur Hauptseite
"Über das Denken"

Du bist hier: "Der Irrsinn von pro und kontra"


Hier geht es weiter zu "
Die Weltfinanzkrise ist sehr einfach lösbar"

oder weiter zu "
Orientierungshilfe durch neues DenKen"

oder weiter zu "
Auslagerung des Denkens von Axel Hacke"

oder weiter zu "
Wer konnte denKen?"

oder weiter zu "
Zufall - oder doch nicht?"
__________

oder zurück zu "
Gedanken über unseren Denkapparat, das Gehirn"

oder zurück zu "
Über das Denken", die sich von der Hauptseite unterscheidet

oder zurück zu "Das DenKen nach Wahrscheinlichkeiten"

oder zurück zu "
Was ist der Sinn des DenKens?"

oder zurück zu "
Die immaterielle Gedankenwolke"

oder zurück zu "
N400 + IGW + Gegenwartserfassung"

oder zurück zu "
Die Prinzipien des DenKens"

oder zurück zu "
Wissenwiedergeber"

oder zurück zu "
Irrende Denker"

oder zurück zu "
Das Denken in den Epochen"

oder zurück zu "
Gibt es das Ende des Denkens?"

oder zurück zu "
Betrug und Selbstbetrug" Der wichtigste Beitrag hier!!!

oder zurück zu "
Inselgesinnungen"
____________________________________________

oder weiter zum nächsten Kapitel "Das allerwichtigste aus Definition-Bewusstsein"


Vielen Dank für Dein Interesse an meinen Gedanken!

weitere Domains: www.Definition-Intelligenz.de und www.Definition-Bewusstsein.de